WALTROPER BÜRGERBADVEREIN 2012

Die Stadt Waltrop liegt im nördlichen Ruhrgebiet im Nordwesten des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen und ist eine Mittlere kreisangehörige Stadt des Kreises Recklinghausen im Regierungsbezirk Münster.

Die Stadt liegt zwischen der Kernzone des Ruhrgebietes und dem ländlichen Münsterland. Geografisch liegt Waltrop in Westfalen, nordwestlich von Dortmund im Ruhrgebiet zwischen dem Dortmund-Ems-Kanal im Südwesten, der Lippe und dem Datteln-Hamm-Kanal im Norden.Die Stadt Waltrop wird in 14 statistische Bezirke unterteilt,[2] deren Namen zum Teil neueren Datums und nicht auf üblichen Karten eingezeichnet sind. Diese sind nachfolgend informell nach Lage gruppiert und die Einwohnerzahl vom 31. Januar 2014 ist angegeben[3] (in Klammern und Kleinschrift jeweils, falls abweichend, die Namen aus der Volkszählung 1987 sowie die damaligen Einwohnerzahlen):


    •    Kernstadt nördlich der Berliner/Dortmunder Straße von West nach Ost:
    ◦    Braßkamp – 3407 („Bereich westlich der Münsterstraße und nördlich der Berliner Straße“; 3225)
    ◦    Stadtmitte – 2516 („Innenstadt zwischen Am Moselbach und Berliner Straße“; 2336)
    ◦    Im Berg – 2801 („Bereich nördlich der Bahnhofstraße einschließlich Im Berg“; 1641)
    ◦    Neue Kolonie/Moselbachtal – 3682 („Bereich nördlich der Berliner und Dortmunder Straße“; 4124)
    ◦    Industriegebiet im Wirrigen – 51 (63)
    •    Kernstadt unmittelbar südlich der Berliner/Dortmunder Straße von West nach Ost:
    ◦    Hirschkamp-Siedlung – 3237 („Siedlung Im Hirschkamp einschließlich Blumensiedlung“; 3039)
    ◦    Alte Kolonie – 3541 („Bereich südlich der Berliner und Dortmunder Straße“; 3138)
    •    Südliche Kernstadt von West nach Ost:

    ◦    Klöcknersiedlung – 1558 (1725)

    ◦    Egelmeer – 2670 („Siedlung Egelmeer“; 2340)
    ◦    Kettelersiedlung – 2223 (2786)
    •    Außenstadtteile im Uhrzeigersinn, beginnend im Nordosten:
    ◦    Holthausen-Lippe – 844 („Bauerschaften Holthausen und Lippe“; 883)
        Brockenscheidt – 1153 („Bauerschaften Brockenscheidt und Elmenhorst“; 1221)
    ◦    Leveringhausen – 913 („Bauerschaft Leveringhausen“; 806)
    ◦    Oberwiese – 679 („Bauerschaft Oberwiese“; 746)

Historisch besteht Waltrop aus dem Kernort bzw. der Bauerschaft Waltrop[4] und sechs nach außen vorgelagerten alten Bauerschaften, die schon seit Menschengedenken zum Ort gehören (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden):


    •    Holthausen; Norden
   •   Lippe; Nordosten, durch Holthausen und Brockenscheidt vom Kernort
getrennt
    •    Elmenhorst; Osten, durch Brockenscheidt vom Kernort getrennt
    •    Brockenscheidt; Osten bis östlicher Süden
    •    Leveringhausen; Südwesten
    •    Oberwiese; Westen (mit dem Schiffshebewerk Henrichenburg)

Diese werden durch die o. g. Stadtgliederung zu vieren zusammengefasst (Elmenhorst wird dem statistischen Bezirk Brockenscheidt zugerechnet, Holthausen und Lippe werden zusammengefasst), jedoch entsprechen die Grenzen insbesondere nicht denen der alten Bauerschaften. In der Gliederung nach statistischen Bezirken ist Holthausen-Lippe in der Hauptsache der Teil der Stadt, der nördlich der Siedlungsgrenze bzw., im Osten, des Lippe-Seitenkanals liegt, Brockenscheidt der südlich des Seitenkanals gelegene (Süd-)Ostrand, Leveringhausen der durch den Stichkanal Dortmund (südöstlichste Etappe des Dortmund-Ems-Kanals) separierte Südwestrand und Oberwiese der Westrand. In nennenswertem Umfange bebaut ist davon nur das Industriegebiet im Norden Brockenscheids, das sich, ähnlich wie es das durch die Eisenbahn separierte Industriegebiet Im Wirrigen nach Nordosten tut, nach Osten an Neue Kolonie/Moselbachtal und damit an die Kernstadt anschließt.


Folgende Städte grenzen an die Stadt Waltrop – im Uhrzeigersinn, im Norden beginnend: Selm, Lünen (beide Kreis Unna), Dortmund (kreisfreie Stadt), Castrop-Rauxel und Datteln (beide Kreis Recklinghausen). Gemeinsam mit Datteln, Oer-Erkenschwick und dem Halterner Stadtteil Flaesheim bildet Waltrop inoffiziell die Region Ostvest.

Ein Teil der Provinzialstraße gehört halbseitig zu Waltrop, die andere Hälfte befindet sich auf Dattelner Stadtgebiet. Das zu Waltrop gehörende Straßenstück umfasst die Häuser auf der südlichen Seite der Straße. Am Ortseingang aus Richtung Waltrop befinden sich zwei Ortsschilder. Das in Fahrtrichtung linke weist auf Waltrop, das rechte auf Datteln.


Die Grenzstraße an der Stadtgrenze zu Lünen-Brambauer hat eigentlich zwei Namen: die westliche Straßenseite liegt auf Waltroper Stadtgebiet und heißt Grenzstraße, die östliche Straßenseite liegt auf Lüner Stadtgebiet und heißt Friedhofstraße. Das kurze Straßenstück wird von der Waltroper und der Lüner Müllabfuhr angefahren, jeweils für das eigene Stadtgebiet. Die Waltroper Straßenseite hat die Waltroper Telefonvorwahl, während die Lüner Straßenseite über die Dortmunder Telefonvorwahl verfügt.


Darüber hinaus sorgen viele innerörtliche Ortseingangs- und -ausgangsschilder häufig für Verwirrung bei Ortsunkundigen.


Der Jahresniederschlag liegt bei 813 mm und ist damit vergleichsweise normal, da er in das mittlere Drittel der in Deutschland erfassten Werte fällt. An 66 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Dezember. Im Dezember fallen 1,7-mal mehr Niederschläge als im Februar. Die Niederschläge variieren mäßig. An 40 % der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.

Wie das gesamte Land zwischen Emscher und Lippe wurde Waltrop nach Bodenfunden früh besiedelt. Im 8. Jahrhundert v. Chr. besetzten die Germanen das Gebiet. Hier lebten die Sugambrer, die ca. 9 v. Chr. von Tiberius, Stiefsohn des Kaiser Augustus, auf das linke Rheinufer verdrängt wurden. In dem leer gewordenen Land siedelten sich die Brukterer auf Einzelhöfen an. Es entstand mit der Zeit ein Verband von Bauern – die Bauerschaft. Auf dem heutigen Waltroper Gebiet bildeten sich sieben Bauerschaften: Leveringhausen, Elmenhorst, Brockenscheidt, Waltrop, Oberwiese (früher Döttelbeck), Holthausen, Lippe (früher Behem). Die ältesten Angaben über die Zahl der Höfe in den sieben Bauerschaften stammen aus dem Jahr 1561, die Höfezahl in den einzelnen Bauerschaften betrug zwischen 16 und 22 Höfe. Insgesamt waren es 129 Höfe, sodass man von 1000 bis 1300 Bewohnern ausgehen kann.


Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang als Besonderheit die beiden Reichshöfe Elmenhorst (erstmals 1292 urkundlich erwähnt, bis 1806 existent) und Abdinghof (hatte seine Reichsunmittelbarkeit schon früh verloren). Der Reichshof Elmenhorst war kein geschlossener Besitz, sondern zu ihm gehörten über 30 Höfe in verschiedenen Bauerschaften, z. B. auch in Eving (Dortmund) und Hagem (Datteln).


Eine überragende Stellung in der Bauerschaft Waltrop nahm der Vogteihof (Vogedinghof, Veiinghof) ein. Zunächst wurde diese Bauerschaft von neun Höfen gebildet, 1561 waren es 17 Höfe. Auf dem Grund des Vogteihofes vollzog sich die weitere Entwicklung Waltrops. Der Erzbischof von Köln erbaute hier eine Eigenkirche, die heutige St.-Petrus-Pfarrkirche. Die Kirchengründung geht bis etwa ins 10. Jahrhundert zurück (um 950). Die Kirche wurde neben anderen Kirchen im Jahr 1032 ohne Namensnennung vom Kölner Erzbischof Pilgrim der Abtei Deutz als wirtschaftliche Grundlage geschenkt. Diese Schenkung wurde am 13. Juli 1147 in einer Bulle des Papstes Eugen III. bestätigt und darin wird erstmals der Name Waltrop (als Waldorp, später auch Vualtohorp, Waltorpe) urkundlich erwähnt.


In der Gelnhäuser Urkunde des Jahres 1180 wurde die Vergabe eines Teils des sächsischen Herzogtums einschließlich Vest Recklinghausen an den Kölner Erzbischof festgeschrieben. Die kirchliche Zugehörigkeit Waltrops zum Erzbistum Köln änderte sich erst 1823 mit der Zugehörigkeit zum Bistum Münster.
Im Laufe der Zeit wurde diese Kirche auch wirtschaftlicher Mittelpunkt für das umliegende Land. Händler und Handwerker ließen sich um die Kirche herum nieder. Bereits vor 1500 stand innerhalb der Bauerschaft Waltrop eine geschlossenen Siedlung von Gewerbetreibenden der übrigen Bauerschaft Waltrop mit verstreut liegenden Einzelhöfen gegenüber. Diese Siedlung wurde zur Unterscheidung von der Bauerschaft Waltrop „das Dorf Waltrop“ genannt.


Die Dorfbildung erfolgte über sehr viele Jahrzehnte. In diesem Zeitraum löste der Gutsherr des Vogteihofes die neue Ansiedlung aus dem Verband der Bauerschaft Waltrop und erhob sie durch Verleihung der Verwaltung und Gerichtsbarkeit zu einer selbständigen Gemeinde mit fest umschriebenen Grenzen – die „Freiheit Waltrop“ (erstmals 1428 in einer Urkunde).


Erste große Kriegsbeschwerden auf Waltroper Gebiet sind durch die Große Dortmunder Fehde (1388–1399) und die Soester Fehde (1444–1449) bekannt. Der Schmalkaldische Krieg (1546–1547) und der Spanisch-Niederländische Krieg (1568–1648) brachten ebenfalls erhebliche Beeinträchtigungen für die Bewohner. Besonders grauenvoll im hiesigen Gebiet war der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648. Am Ende dieses Krieges war Waltrop verwüstet, verödet und verarmt. Auch der Siebenjährige Krieg (1756–1763) hinterließ schwere Spuren.


Anfang der 1800er Jahre erfolgte eine grundlegende Veränderung beim Landeigentum: die Teilung der Waltroper Gemeinheiten. Mit Gemeinheiten wurden seit Jahrhunderten die Wiesen, Weiden und Wälder benannt, die der Allgemeinheit (hier: Berechtigte) zum Weidegang zur Verfügung standen (auch Mark, Marken, genannt, von lat. margo/ursprüngliche Waldwildnis; in germanischer Zeit die für Siedlungszwecke gerodete Wildnis). Durch diese staatliche Teilung der sog. Gemeinheiten wurden in Waltrop im Jahr 1809 über 60 ha Land nach einer besonderen Berechnung den ursprünglichen Berechtigten als neues Eigentum zugewiesen. In den anderen Bauerschaften fanden diese Teilungen in den folgenden Jahrzehnten statt.


Im Dorf Waltrop wohnten 1820 in 148 Häusern 1099 Einwohner, 1840 waren es in 173 Häusern 1177 Bewohner. Insgesamt hatte das Kirchspiel Waltrop (Dorf Waltrop und die sieben Bauerschaften) im Jahr 1840 exakt 2966 Einwohner bei 441 Wohnhäusern und 341 Ställen und Scheunen.


Die Gewerbestatistik von 1840 weist neben der Land- und Viehwirtschaft folgende Berufe für Waltrop aus: 9 Bäcker, 3 Fleischer, 2 Lohgerber, 16 Schuhmacher, 3 Sattler, 1 Seiler, 21 Schneider, 10 Zimmerwerker, 14 Tischler, 1 Radmacher, 4 Böttcher, 1 Drechsler, 2 Maurer, 1 Glaser, 6 Grobschmiede, 1 Ziegelbäcker, 4 Strumpfweber, 63 Leineweber, 4 Färber, 1 Kaufmann, 23 Krämer und Hausierer, 2 Gastwirte, 8 Schankwirte, des Weiteren 5 Mühlen, jedoch keine Fabriken. In der zweiten Jahrhunderthälfte sind es vor allem der Holzhandel und die Holzverarbeitung, die an Bedeutung gewannen (1857 Holzhandlung mit Sägewerk Overthun bzw. Schreinerei mit Möbelhaus Mußhoff, 1859 Holzhandlung mit Sägewerk Nierhoff). Bereits 1850 war die Brennerei Beckmann (heute Bröggelhoff) gegründet worden.


Die große Veränderung im dörflichen Charakter brachte der Beginn des 20. Jahrhunderts: 1903 erfolgte die Abteufung der Zeche Waltrop durch den preußischen Staat. Erste Kohlenförderung im Jahr 1906, 1909 Fertigstellung der Kokerei. Nach einem Wassereinbruch im Februar 1909 konnte die Förderung erst Ende 1912 wieder aufgenommen werden. Im Zweiten Weltkrieg wurden durchschnittlich 700 ausländische Zwangsarbeiter eingesetzt. Der höchste Personalstand der Zeche betrug im Jahr 1957 insgesamt 2817 Beschäftigte, davon 171 Angestellte. Am 1. Januar 1978 wurden die beiden Werksdirektionen Waltrop und Achenbach (Lünen-Brambauer) zusammengelegt. Die letzte Kohlenförderung erfolgte am 29. Juni 1979. Die Ruhrkohle AG verkaufte 1984 die Zechenfläche an die Landesentwicklungsgesellschaft (Grundstücksfonds Ruhr) zur weiteren Nutzbarmachung als Gewerbegebiet.


Am 30. Januar 1939 erhielt Waltrop die Stadtrechte. Im Zuge der Gemeindegebietsreform zum 1. Januar 1975 wurde das seit 1844 bestehende Amt Waltrop aufgelöst, die amtsangehörigen Gemeinden Horneburg und Henrichenburg an Datteln beziehungsweise Castrop-Rauxel abgegeben und Waltrop selbständig.


Von 1943 bis 1945 befand sich in Waltrop-Holthausen ein zentrales Entbindungslager für Zwangsarbeiterinnen. Schwangere Ostarbeiterinnen aus ganz Westfalen wurden nach Holthausen gebracht und bis zum fünften Schwangerschaftsmonat zur Abtreibung gezwungen. Von den 1273 im Lager geborenen Kindern starben viele bald nach der Geburt.[5] Eine Gedenktafel auf dem Friedhof, so genannte „Stolpersteine“ in der Fußgängerzone sowie ein Mahnmal in Holthausen erinnern an das Entbindungslager.


Die drei katholischen Gemeinden St. Ludgerus, St. Marien und St. Peter sind seit dem 1. Advent 2008 zur Pfarrei St. Peter zusammengeschlossen. Als Folge der Fusion wurde die St.-Ludgerus-Kirche abgerissen und der etwas abseits stehende Kirchturm zu einer Kapelle umgestaltet.


Das Dietrich-Bonhoeffer-Zentrum befindet sich an der evangelischen Dreifaltigkeitskirche.


Die Neuapostolische Kirche besaß zwei Gemeinden in Waltrop (Waltrop-Nord und -Süd). Im November 2014 wurden beide zur Gemeinde Waltrop zusammengelegt.


Außerdem befinden sich in Waltrop zwei Moscheen der Dachverbände VIKZ und DITIB.


Im Jahr 2001 wurde in Waltrop – auf Vorschlag einer aus acht Jugendlichen von drei weiterführenden Schulen bestehenden Initiative – ein Kinder- und Jugendparlament gegründet. Dabei wurde das Konzept, die Satzung und die Geschäftsordnung von den Jugendlichen selbst entwickelt. Der wohl häufigst genannte Erfolg des KiJuPas ist die Einrichtung einer Nachtbuslinie (NE 14) in der ersten Legislaturperiode.